Verletzungen im Fußball: Anforderungsprofil = Risikoprofil?

Oft liest man in der Zeitung oder hört in den Nachrichten vom Verletzungspech verschiedener Bundesligamannschaften. In den Medien wird die Vorstellung einer Mannschaft größtenteils abhängig von deren verletzten Spieler gemacht und auch die Trainer beklagen sich regelmäßig öffentlich über ihr großes und ständig wachsendes Lazarett. Häufig wird dann von „Verletzungspech“ gesprochen, das eine Mannschaft verfolgt. Aber ist es wirklich nur Pech, das zu Verletzungen führt?
Dr. Patrick Luig, Sportreferent der VBG, hat zu diesem Thema eine Analyse erstellt, die sich mit den Verletzungen im Profisport auseinandersetzt.
In der Saison 2015/2016 verletzten sich insgesamt 80% der eingesetzten Fußballspieler, pro Team gab es durchschnittlich 63 Verletzungen. Jeder dieser Spieler erlitt im Schnitt 2,5 Verletzungen und verpasste somit verletzungsbedingt 24 Tage.
Im Fußball ist der Oberschenkel mit 23,3% die am häufigsten betroffene Körperregion, die Hand mit ungefähr 3% die an der seltensten betroffenen Stelle.
Bei Feldspielern machen Muskelverletzungen der vier großen Muskelgruppen der unteren Extremitäten (Hamstrings, Adduktoren, Strecker, Wade) 31,4% der Verletzungen aus. Abwehrspieler erleiden häufiger Kopfverletzungen als Mittelfeldspieler oder Stürmer, das höchste Risiko für Verletzungen des Kopfes (z.B. Gehirnerschütterung), sowie der Schulter und der oberen Extremitäten haben allerdings Torhüter. Sie haben mit 18,4% signifikant weniger Muskelverletzungen als Feldspieler.
Mit 54,2% dominieren Kontaktverletzungen zwar das Verletzungsgeschehen, aber ein gegnerisches Foulspiel ist dennoch nur bei etwa jeder 5. Verletzung eine Teilursache, wie die Statistik mit 71,3% (Kein Foul) zeigt.
Die Spielposition eines Spielers hat einen großen Einfluss auf das Verletzungsgeschehen. Torhüter haben mit 82,3% bei einem Kontakt den höchsten Verletzungswert und mit 5,9% bei keinem Kontakt den niedrigsten Verletzungswert. Zum Vergleich: Die Verletzung eines Stürmers passiert zu 50% bei einem Kontakt, allerdings auch zu 35,4% bei keinem Kontakt.
Die Verletzungsmechanismen entscheiden sich außerdem deutlich mit Blick auf die verletzte Körperregion und Struktur: Verletzungen am Kopf kommen zu 100% von einem Kontakt, Verletzungen am Oberschenkel kommen jedoch zu 70% nicht von einem Kontakt. Weiterhin verletzen sich mit 52,7% mehr Abwehrspieler als Stürmer. Mit 20,7% verletzen sich die meisten Spieler im Mittelfeld eines Spielfeldes. Die wenigsten Verletzungen (2,1%) entstehen vor oder am gegnerischen Tor.
Die Bewegungsmuster, die im Fußball am häufigsten zu Verletzungen führen sind Lauf und Sprint mit 27,9% und 23,1%. Die wenigsten Verletzungen passieren mit 1,9% im Fußball bei einem Richtungswechsel eines Spielers. Kopfball und Tackling sind statistisch gesehen mit 22,1% und 15,2% die risikoreichsten Spielaktionen im Fußball.
Folglich ist Fußball eine Zweikampf-Risiko-Sportart und wird es auch in Zukunft bleiben und somit werden auch weiterhin Verletzungen auftreten. Foulspiel ist jedoch nur selten eine Ursache von Verletzungen, weshalb Fußballvereine eine Leitlinien für Behandlungen, Therapien und Return-to-Competition von fußballtypischen Verletzungen brauchen, um auf Verletzungen vorbereitet zu sein, die im Laufe der Saison auftreten werden.
Vor allem bei Non-Kontakt- und indirekten Kontaktverletzungen besteht ein großes Präventionspotenzial. Ein Verletzungsmonitoring hilft dabei, das eigene Risikoprofil zu analysieren und individuelle Präventionspotenziale herauszuarbeiten. Allerdings ist es wichtig zu beachten, dass es keine Prävention gibt, die auf alle Spieler anwendbar ist und keine Abkürzung zum Präventionserfolg vorhanden ist. Erfolgreiche Prävention ist spezifisch und abhängig von mehreren Komponenten wie beispielsweise der Spielposition, dem Alter, dem Geschlecht oder der verletzten Struktur.
Pech ist somit als Ursache nicht ganz auszuschließen, allerdings auch keine Universalausrede, da durch Prävention einige Verletzungen verhindert werden können.
Als Prävention dient eine optimale Balance zwischen Belastung und Erholung, um es nicht zu einer Überbelastung kommen zu lassen. Die jeweiligen Körperteile können durch verschiedene Übungen präventiv vorbereitet werden, wobei Stabilisationstraining für den ganzen Körper ebenfalls eine sehr gute Prävention sind.
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Ruptur des vorderen Kreuzbandes – Therapie

Zu einer der häufigsten Verletzungen im Fußball zählt der Kreuzbandriss. Es gibt mehrere Arten des Kreuzbandrisses, unter anderem die Ruptur des vorderen Kreuzbandes.
Das vordere Kreuzband verhindert als eines von vier Stabilisierungsbändern im Kniegelenk ein Vorschieben des Unterschenkels gegen den Oberschenkel und hat eine Reißfestigkeit von 200 Kilogramm. Drei Viertel der Kreuzbandrisse entstehen durch sogenannte „Non-Kontaktverletzungen“, das bedeutet das Kreuzband reißt ohne jegliche Fremdeinwirkung, zum Beispiel durch eine abrupte Drehbewegung oder beim Landen nach einem Sprung.
Der Sportmediziner Dr. Tino Lorenz befasst sich mit der Kasuistik der Ruptur des vorderen Kreuzbandes und hat dazu Therapie- und Rehabilitationsansätze entwickelt, sodass ein Leistungssportler nach überstandener Verletzung wieder erfolgreich in sein Training einsteigen kann. Zur Veranschaulichung hat er drei verschiedene Stufen benannt.
Laut Lorenz begünstigen die Unfähigkeit den Körperschwerpunkt zu kontrollieren, die Rumpfdominanz als Dysbalance der Rumpfstabilität und asymmetrische überproportionale Krafteinwirkung eine solche Verletzung. Besteht der Verdacht einer Ruptur schwillt das Knie schnell an und es ist schmerzbedingt bewegungseingeschränkt. Der Spieler selbst nimmt einen reißenden Schmerz, teilweise auch ein Geräusch wahr. Die genaue Diagnose wird mit Hilfe eines MRT in einem Krankenhaus gestellt.
Ein Kreuzbandriss muss operiert werden und während dieser Operation wird eine Knorpelglättung und die Entfernung von Synovialzotten vorgenommen. Anschließend wird das vordere Kreuzband gereinigt, die Semitendinosussehne wird entfernt und danach wird ein Kreuzband aus Plastik eingesetzt, welches mittels einer Bioschraube fixiert wird.
Nach der Operation muss das Bein weiter geschont und entlastet werden. Der Patient bekommt eine Knieruhigstellungsschiene, die in den ersten vier Wochen eine Beugung von 30° hat und nach acht Wochen entfernt werden kann.
Unmittelbar nach der Operation sollte mit Anspannungsübungen zum Muskeltraining, Lymphdrainage und Krankengymnastik begonnen werden. Das beschreibt die erste Stufe von Lorenz, der Übergang von der klinischen Versorgung in das Reha-Training. Nach sechs Wochen sollte mit einer intensiveren Trainingstherapie zur Verbesserung von Kraft, Koordination und Ausdauer begonnen werden, nach acht Wochen kann der Patient bereits mit Walking beginnen und weitere vier Wochen später mit leichtem Joggen. Während der gesamten Rehabilitation sollten regelmäßige Blutbild-Kontrollen und Thromboseprophylaxen stattfinden.

Neben dem allgemeinen Rehabilitationstraining gibt es begleitende Verfahren, wie die Wirkungsweise ACP. Dabei handelt s sich um die zweite Stufe, die Aufnahme des sportartspezifischen Reha-Trainings. Bei ACP handelt es sich um ein Thrombozyten-Konzentrat zur biologischen Behandlung von Arthrosen und Sportverletzungen mit körpereigenen Stoffen. Die ACP-Technik steigert Thrombozyten, Plasmaproteine und Wachstumsfaktoren in hoher Konzentration auf das Vielfache gegenüber Vollblut. Die Thrombozyten werden aktiviert und initiieren die Beschleunigung des Heilungsablaufs durch fibrinvermittelte Bindung an andere Thrombozyten.
Der Spieler sollte während der Immobilisierungsphase, in der er einen reduzierten Energieverbrauch hat, Omega-3 und Omega-6 Fettsäuren zur Verringerung der muskulären Atrophie und zur Reduktion des oxydativen Stress zu sich nehmen. Außerdem sollte er eine angepasste Zufuhr von Mikronährstoffen und Spurenelementen wie Folsäure, Eisen, Kupfer; selen, Jod und Chrom bekommen.
Die begleitenden Verfahren werden bei Leistungssportlern in Kooperation mit dem Sportphysiotherapeut, Athletiktrainer und Trainer durchgeführt, weiterhin werden täglich sportmedizinische Analysen erstellt.
Bevor der Spieler zurück auf das Spielfeld kann, werden einige Tests vorgenommen. So muss er Sprung-, Schnelligkeits-, Agilitäts-, Balance- und sportpsychologische Begleittests absolvieren, außerdem wird eine Beurteilung über seine Bewegungsqualität erstellt. Kann der Spieler uneingeschränkt am Mannschaftstraining teilnehmen, ist er auch wieder bereit für Wettkämpfe und hat die dritte und letzte Stufe, den Übergang vom eingeschränkten Mannschaftstraining in Wettkampftraining erreicht.
Vorbeugen kann man im Training mit einem BalancePad und einem elastisches Trainingsband.
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(Sport-)psychologische Erholungsstrategien im Athletenalltag

Besonders bei Sportarten wie Eishockey, Basketball, Handball und Fußball spielt die optimale Trainingssteuerung und das Gleichgewicht zwischen Erholung und Anstrengung eine herausragende Rolle. Dieser Bericht wird sich mit den Erholungsstrategien im Athletenalltag mit dem Schwerpunkt Fußball und speziell RB Leipzig und dessen Nachwuchsmannschaften auseinandersetzen.
Der Weg zum Profisportler und die Aufrechterhaltung dieses Status verlangt Unmengen an Zeit und Mühen eines Nachwuchsspielers. Des Weiteren müssen Spieler an Nachwuchsleistungszentren ein großes Ausmaß an Ressourcen einbringen und das über mehrere Jahre hinweg, wenn sie ihre Ziele erreichen wollen. Wie genau die Faktoren aussehen, die Zeit und Mühen kosten, beziehungsweise wofür die Ressourcen aufgebracht werden müssen, erläutert Dr. Maximilian Pelka, Sportpsychologe bei RasenBallsport Leipzig. Er beschäftigt sich mit sportpsychologischen Erholungsstrategien im Athletenalltag, denn gerade in einem hoch entwickelten Nachwuchsleistungszentrum wie bei RB Leipzig wird auf jedes Detail wertgelegt und den Spielern ein extrem hohes Pensum abverlangt.
Damit die Überbelastung und ihre einhergehenden negativen Konsequenzen wie Müdigkeit, Ausgelaugtheit, nachlassende Motivation, Krankheit, Verletzung und schlechte Leistungen nicht auftreten, muss eine gute Balance zwischen Erholung und Belastung bestehen. Gerade in Nachwuchsmannschaften besteht ein erhöhtes Belastungspensum: Zum einen die Wettkampf- und Trainingsbelastung (Youth League, verschiedene Nachwuchseuropameisterschaften ab der U17), zum anderen die Belastungen der schulischen Ausbildung mit Klausuren, Hausarbeiten, Fehltagen und nachholen von Unterrichtsstunden. Des Weiteren gibt es Umfeldfaktoren, die auf den Spieler einwirken (Eltern, Medien, Trainer, Freunde und Berater). Bei diesem Belastungspensum fällt es schwer, Erholungspausen zu finden, jedoch gibt es einige Möglichkeiten dafür. Das wichtigste Beispiel ist der Schlaf: Man sollte regelmäßig zwischen 7 und 10 Stunden schlafen, digitale Geräte sollten 20 Minuten vor dem Schlafen gehen gemieden werden und eine Stunde vorher sollte keine Getränkezufuhr mehr erfolgen, um nur die wichtigsten Punkte aufzuzählen. Statistisch gesehen hat ein Spieler der durchschnittlich weniger als 8 Stunden schläft ein 1,7-fach höheres Risiko sich zu verletzen. Hat ein Spieler weniger als 5 Stunden Schlaf im Schnitt, ist das Risiko einer Verletzung 4,5-fach höher. Eine weitere Möglichkeit zur Erholung ist das Entspannungsverfahren. Dabei sind PMR, BodyScan, Yoga, autogenes Training und Atemstrategien wichtige Komponenten, um die Erholung zu fördern. Grundvoraussetzung dafür sind sich Zeit zu nehmen und diese einzuplanen, digitale Geräte nicht zu benutzen, eine komfortable Position finden, Regelmäßigkeit (z.B.: Yoga einmal pro Woche) und die Individualität um die beste Strategie für sich zu finden.
Dies zeigt wie komplex das Thema der Erholung- und Belastungssteuerung ist, gerade die Nachwuchsspieler müssen durch schulische Einflüsse ein höheres Pensum leisten als die Spieler der Lizenzmannschaft. Des Weiteren müssen die Nachwuchsspieler sehr selbstständig sein und gerade auf Schlaf und die Erholungsstrategien Wert legen und diese ausführen. Dabei ist ein hohes Maß an Disziplin gefragt, wodurch Tätigkeiten auf der Strecke bleiben mit denen sich andere Jugendliche in ihrem Alter beschäftigen. Das zeigt, dass diejenigen die Fußballprofis werden möchten nicht nur Talent brauchen sondern auch auf extrem viele Dinge, wie beispielsweise Freizeit, verzichten müssen und viel Ehrgeiz und einen eisernen Willen benötigen, um ihr Ziel zu erreichen.

Athletiktraining im Nachwuchsfußball – Was macht RB Leipzig?

Um die Leistung der Spieler zu optimieren, müssen die Leistungsdiagnostik, Monitoring und Trainingssteuerung/-planung zusammenarbeiten. Die Leistungsdiagnostik und Monitoring überwacht die Spieler und analysiert das jeweilige Leistungsvermögen. Aus dieser Analyse entsteht dann das Konzept zur Trainingssteuerung/-planung, bei der man individuell auf jeden Spieler eingehen kann. Um die Spieler nicht überzubelasten muss eine Präventivdiagnostik durchgeführt werden. Dort identifiziert man Risikofaktoren und eine Analyse von Anfälligkeiten, Mustern und Verletzungen eines jeden Spielers. Hauptsächlich der Faktor der Belastung hat für die Analyse der Verletzungen eine herausragende Stellung, da die meisten Verletzungen durch Überbelastung und suboptimale Trainingssteuerung auftreten. Zum anderen ist die Belastung von großer Bedeutung, weil durch erhöhte Frische die Qualität des Trainings und somit die Trainingsqualität des Spielers steigt. Des Weiteren spielt die Vor- und Nachbereitung des Fußballtrainings eine enorme Rolle. Dabei vermischen sich die individuelle Vorbereitung und die teamgenerelle Vorbereitung miteinander. Jeder Spieler ist für sich und seinen Körper zuständig. Gesunde Ernährung z.B. zählen zu einer optimalen Trainingsvor- und Nachbereitung. Sollte es jedoch einmal zu einer Verletzung kommen, arbeiten die Athletiktrainer von RB Leipzig mit dem jeweiligen Spieler individuell, um diesen gut zu rehabilitieren und schnell wieder ins Mannschaftstraining zu integrieren. Mit den Ärzten, Physiotherapeuten, Athletiktrainers und dem Cheftrainer der Mannschaft wird eng zusammengearbeitet.
Zu den häufigsten Verletzungen gehören Bein-, Knie und Fußverletzungen. Beim Rehabilitationstraining ist die Belastungsverträglichkeit essentiell. Die wird ständig überprüft und das Training situativ angepasst. Das Ziel ist es immer den Zustand vor der Verletzung bestmöglich wieder herzustellen.